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Zahnspangengummis: Kleine Helfer mit großer Wirkung

05.05.2022

Jeder, der schon einmal eine Zahnspange hatte, kennt sie: Die kleinen Gummis, die bei Patienten mit fester Zahnspange  kreuz und quer durch den Mund gespannt sind. Elastics nennen sich die kleinen Helferlein, und sie dienen einem wichtigen Zweck.

Warum Zahnspangengummis?

Wie lange ein Patient mit einer festen Zahnspange inklusive Zahnspangengummis behandelt werden muss, hängt vom Schweregrad der Zahn- und/oder Kieferfehlstellung ab. Während die einen bereits nach wenigen Monaten mit geraden Zähnen der Praxis den Rücken kehren, müssen andere sich etwas länger gedulden, bis sie ihr „Wunschlächeln“ erhalten. Kieferorthopäden greifen zur Unterstützung gerne auf Zahnspangengummis zurück. Dadurch lässt sich die Korrektur bzw. der Biss optimieren. Sowohl bei Alignern als auch bei Brackets üben die Gummizüge zusätzlichen Druck auf Zähne und Kiefer aus und helfen bei der Einstellung der korrekten Verzahnung und Bisslage.

Kleine Helfer mit großer Wirkung
Gummizüge bei fester Zahnspange I Quelle: pexels

 

Diese zwei Arten von Zahnspangengummis gibt es:   

Generell gibt es zwei Arten von Zahnspangengummis. Grundsätzlich sind sie aus Latex bzw. Naturkautschuk hergestellt. Patienten, die eine Latexallergie haben, bekommen latexfreie, aus Kunststoff gefertigte Zahnspangengummis eingespannt. 

Damit die Zahnspangengummis in Verbindung mit der festsitzenden Zahnspange überhaupt genutzt werden können, müssen die Brackets oder der Zahnspangenbogen mit kleinen Haken ausgestattet sein. Daran werden die Zahnspangengummis dann nach Vorgabe des Kieferorthopäden durch den Patienten eingehängt. Dabei gibt es zwei Arten der Aufhängung:

 1. intramaxilläre Gummizüge (Elastikketten, Gummiketten): Verlaufen die Zahnspangengummis zwischen zwei Zähnen eines Kiefers, spricht man von intramaxillären Gummizügen. Die Gummizüge werden in der Regel vom Fachzahnarzt eingesetzt und können nicht selbstständig vom Patienten ausgetauscht werden.

2. intermaxilläre Gummizüge: Werden die Zahnspangengummis schräg zwischen dem Oberkiefers und Unterkiefers gespannt, ist von intermaxillären Gummizügen die Rede. Nach Instruktion durch den Kieferorthopäden oder die zahnmedizinische Assistentin (ZMA) setzt der Patient die Gummizüge selbstständig ein. Das erfordert manchmal etwas Fingerspitzengefühl und Übung. Kleine Einhängehilfen können hilfreich sein. 

Zahnspangengummis: Maximale Spannkraft ist gefragt

Durch das Spannen des Gummizugs dehnt sich dieser, wodurch eine zusätzliche Kraft entsteht, die zur Korrektur der vorliegenden Fehlstellung genutzt werden kann. Je nach Wahl der in verschiedenen Größen und Dicken bzw. Stärken erhältlichen Zahnspangengummis variiert diese Spannkraft. Der Durchmesser und die Stärke hängen von der Bogenstärke, der Behandlungsphase und dem gewünschten Effekt ab. 

Auch die Platzierung der Gummis an der Zahnspange wird vom Kieferorthopäden festgelegt.  Da die von den Zahnspangengummis erzeugte Kraft mit der Zeit abnimmt, ist ein regelmäßiges Austauschen gegen neue Elastics zwingend erforderlich. Mindestens einmal, besser bis zu dreimal täglich sollten die Zahnspangengummis daher gewechselt werden – am besten jeweils nach den Mahlzeiten, wenn sie sowieso herausgenommen werden müssen.

Verschiedene Einhänge-Muster mit Zahnspangengummis

Intramaxilläre Gummizüge (innerhalb eines Kiefers), aber vor allem die zwischen Ober- und Unterkieferzähnen gespannten intermaxillären Gummizüge können – je nach Fehlstellung – in unterschiedlichsten Varianten eingehängt werden. 

Gummizüge und feste Zahnspange sind ein starkes Team
Klasse II Gummizüge 
Gummizüge und feste Zahnspange sind ein starkes Team
Klasse IIIGummizüge 

 

Die gängigsten intermaxillären Zahnspangengummis sind sogenannte Klasse II- bzw. III-Gummizüge, Criss-Cross-Elastics sowie Up-and-down-Gummizüge (z. B. Dreieckform). Dabei dient jedes Einhänge-Muster einer ganz bestimmten Behandlungsaufgabe. So werden Klasse II- bzw. III-Gummizüge zur Korrektur von Überbissen eingesetzt. Criss-Cross-Elastics sind bei der Überstellung von Kreuz- oder Kopfbissen wirksam. Die im Dreieck eingehängten Zahnspangengummis helfen beim Schließen leicht offener Bisse, dem Führen von Eckzähnen in ihre korrekte Position oder bei der Feineinstellung der Zahnkontakte. 

Gummizüge und feste Zahnspange sind ein starkes Team
Dreiecks-Gummizüge 

 

Intramaxilläre Zahnspangengummis (Gummiketten) hingegen erweisen sich z. B. beim Schließen von Restlücken innerhalb eines Zahnbogens als hilfreiches Tool. 

Tragezeit von Zahnspangengummis

Die Tragezeit der einzuhängenden Gummizüge legt der Kieferorthopäde fest. Zur Korrektur eines Fehlbisses ist meist eine Tragezeit so oft wie möglich, d.h. Tag und Nacht notwendig. Die Gummizüge müssen auch in der Schule getragen werden und dürfen nur zum Essen herausgenommen werden. Oft dürfen die Gummizüge erst in der Stabilisierungsphase nur noch nachts getragen werden. 

Alternativen zu Zahnspangengummis

Bei der Behandlung mit Zahnspangengummis ist die Mitarbeit des Patienten äußerst wichtig. Denn nur wenn das Einhängen der Zahnspangengummis gewissenhaft durchgeführt wird, stellt sich der gewünschte Therapieeffekt ein. Wenn dazu allerdings die Bereitschaft oder Disziplin fehlt, gibt es Behandlungsalternativen, die allerdings oft nicht Bestandteil der gesetzlichen Versicherungsleistungen sind. Je nach Fehlstellung können anstelle von Zahnspangengummis Klasse II- oder III-Federn, die Herbst-Apparatur, Distalizer oder andere Apparaturen (Non-Compliance-Geräte) zum Einsatz kommen. 

Ist eine Korrektur des Bisses mit Gummizügen oder anderen Geräten nicht erfolgreich oder möglich, wird eine Kieferoperation (Dysgnathie-Operation) nach Abschluss des Wachstums erforderlich. Der Mund-Kiefer- und Gesichtschirurg (MKG) bringt die Kiefer in einer Operation in die optimale Position. Nach der Kieferoperationen sind ebenfalls Gummizüge notwendig, die an der festen Zahnspange oder an Zahnschienen eingehängt werden, um das Ergebnis der Kieferoperation zu stabilisieren. 

3 Tipps zum Einsetzen der Gummis an der festen Zahnspange 

  • Wenn Sie sich beim Einhängen schwertun: Gummi zuerst am hinteren Zahn einhängen, der, der schwerer erreichbar ist, und dann am vorderen, leichter zugänglichen Zahn. Beim Entfernen in umgekehrter Reihenfolge vorgehen: zuerst vorne, dann hinten.
  • Zum Einhängen Kiefer immer schließen. So ist weniger Spannung nötig als bei geöffnetem Mund.
  • Eine Einhängehilfe erleichtert das Einhängen.

 

Übung macht den Meister!

 

Quellen

  • Das Gesundheitsportal medondo.health
  • Janson G, Sathler R, Fernandes TMF, Branco NCC, de Freitas MR: Correction of Class II malocclusion with Class II elastics: a systematic review. Am J Orthod Dentofacial Orthop. 2013 Mar;143(3):383-92.
  • Jones G, Buschang PH, Kim KB, Oliver DR. Class II non-extraction patients treated with the Forsus fatigue resistant device versus intermaxillary elastics. Angle Orthod 2008;78:332-8. 
  • Pithon MM, Mendes JL, da Silva CA, Lacerda Dos Santos R, Coqueiro RD: Force decay of latex and non-latex intermaxillary elastics: a clinical study. Eur J Orthod. 2016 Feb;38(1):39-43.
  • Sander FG, Schwenzer N (Hrsg.): Zahn-Mund-Kiefer-Heilkunde: Kieferorthopädie. Thieme Verlag 2011. S. 267-268.